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Elektrosensibilität - Elektrosensitivität
Elektrosensibilität oder Elektrosensitivität ist die ungewollte Fähigkeit, sowohl elektrische und magnetische Felder als auch elektromagnetische Wellen wahrzunehmen, zu "spüren".
Der menschliche Organismus hat die Eigenschaft auch auf sehr schwache Felder und Wellen zu reagieren. Lediglich bei ca. 10 bis 15 Prozent der Bevölkerung ist diese Reaktion mit körperlichen Symptomen verbunden. Diese Symptome sind Ausdruck einer erheblich gesteigerten Reaktion gegenüber schwachen und schwächsten elektromagnetischen Reizen aus der Umwelt. Ein gesunder Organismus kann diese Einflüsse aus regeln, der geschwächte oder vorgeschädigte Organismus aber nicht mehr.
Die hohe Empfindlichkeit ist in der Regel die Folge eines überforderten Regulationssystems (z.B. Nerven-, Endokrines - und Immunsystem), wobei insbesondere eine Überlastung des Immunsystems beobachtet wird.
Die Schwächung des Abwehrsystems wird nicht nur durch die Einwirkung von Feldern und Wellen hervorgerufen. Wie Diagnosen bei Betroffenen zeigen, werden auch andere Belastungen in hohem Maße festgestellt: toxische Belastungen durch Schwermetalle oder chemische Verbindungen, Stäube wie Asbest und Mineralfasern, ferner Mykotoxine, Bakterien, Viren und gegebenenfalls geopathische Einflüsse. Wir finden heute in den überwiegenden Fällen eine Mehrfach- oder Vielfachbelastung. Insofern können wir Elektrosensibilität als Teil eines multifaktoriellen Geschehens bezeichnen, da fast immer Synergismus (Wechselwirkung) mit anderen Belastungsfaktoren vorhanden ist.
Es ist nur zu verständlich, wenn angesichts des geschilderten, breitgefächerten Belastungsbildes die beobachteten Symptome - wie Nervosität, Kopfschmerzen, Schlafstörungen, Antriebslosigkeit, Konzentrationsschwäche, Erschöpfungszustände u a. - als "unspezifisch" eingestuft werden.
Es ist zwingend notwendig, dass bei der Anamnese auch Lebensgewohnheiten wie Ernährung, Bewegung, Gewohnheiten etc. und eine eventuelle Stresssituation - Familie, Beruf, Finanzen - abgefragt werden müssen. Genetische Voraussetzungen (Disposition) sind ebenfalls in Betracht zu ziehen.
Mit Kenntnis der verursachenden Hauptbelastungen lassen sich "Risikogruppen" benennen. Dem Phänomen der Elektrosensibilität ist aber nur mit einem Systemverständnis, mit einer Ganzheitsbetrachtung beizukommen (der Mensch muss als "offenes" System begriffen werden, mit höchst intelligenten Regelmechanismen, die auf alle von außen kommenden Reize in irgendeiner Form reagieren). Das Phänomen wird nicht erfasst mit einer mechanistischen oder analytischen Auffassung. Auch das geschlossene Newton'sche Modell, das eindimensionale Vorgehen, nach der Frage der singulären Ursache-Wirkungs-Beziehung führt nicht weiter (monokausale Beziehung) bei der Erforschung des Phänomens Elektrosensibilität. Befriedigend ist der in der Öffentlichkeit immer stärker werdende Ruf nach einem Paradigmawechsel (Bewusstseinswandel). In seinem Buch "Neuland des Denkens", 1984, drückt Frederic Vester das so aus:
- "Das Geschehen ist nicht mehr durch Einzelversuche in den Griff zu bekommen. Denn sobald Konstellationen im Spiel sind, also mehrere Ursachen und mehrere Wirkungen miteinander verflochten sind, ist der übliche Weg des wissenschaftlichen Kontrollversuchs nicht mehr anzuwenden. Und damit stoßen wir auf den Kern des Dilemmas: Konstellationen, die sich dadurch auszeichnen, dass sich mehrere Regulationsbereiche überlagern, können auch bei sehr unterschiedlichen Einzelwerten die gleiche Wirkung haben und bei identischen Einzelwerten oft gegenteilige Wirkungen."
Diese Aussage wurde im Zusammenhang mit Krebsgeschehen gemacht, wir dürfen sie aber sicherlich auch auf die Elektrosensibilität anwenden.
Wenn wir diese Auffassung akzeptieren, wird verständlich, aus welchem Grunde die seit Jahrzehnten durchgeführten, inzwischen mehr als zehntausend Laboruntersuchungen zur Frage "Sind elektromagnetische Felder gesundheitsschädlich?" keine eindeutige Antwort erbracht haben. Sie sind durchweg monokausal angelegt. Nur die Einbeziehung des ganzen Menschen wird der Realität gerecht und führt zu den gewünschten Erkenntnissen. Um in der Elektrosmog-Forschung entscheidende Fortschritte zu erzielen, müssen Methoden der Verhaltensforschung eingesetzt werden. Ein einfaches Beispiel soll das Verständnis erleichtern. „Warum fliegen bestimmte Zugvögel in Pfeilformation?" Aus wissenschaftlicher Sicht kann man diese Frage völlig unterschiedlich angehen. Man kann einmal einen Vogel aus dem Verband fangen und ihn auf alle nur möglichen Parameter untersuchen, man kann ihn sogar sezieren und in die kleinsten anatomischen und chemischen Bausteine zerlegen. Die Frage nach dem Formationsflug dieser Vogelart wird nicht beantwortet werden. Man kann aber auch die Umfeldbedingungen im Formationsflug z. B. den Strömungswiderstand und andere aerodynamische Faktoren untersuchen und schon wird man erste Antworten auf die gestellte Frage erhalten.
Gerade die Belastungen durch technische Felder und Wellen sind klassische Umfeldbelastungen die auf den menschlichen Organismus einwirken. Ein neuer Forschungsansatz könnte hier rasch Erkenntnisse bringen.
Die Belastung durch mehrere chemische Substanzen wird als MCS ( multiple chemical sensitivity) bezeichnet. Bei der Elektrosensibilität spielen in der Regel alle (oben genannten) Umwelteinflüsse mit. Wir erfassen das Symptombild der Elektrosensitivität daher am besten mit dem Begriff Multiple Environmental Syndrome abgekürzt MES und stellen dies zur Diskussion.
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